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Vortrag während des Kolloquiums "Zusammen leben" - 2014


" Beiträge des Buddhismus zum Zusammenleben in Frankreich " 

Vortrag des Mönchs Pascal Kengan Normandin, vom "Centre de boudhdisme zen de Strasbourg" - unter Mithilfe der Nonne Evelyne Seikyo Rauscher. 


Zuerst möchte ich den Organisatoren dieses Treffens danken, dass sie einen Vertreter des Buddhismus eingeladen haben. Diese Einladung ist schon in sich ein Ausdruck von Toleranz und ein Zeichen von "Zusammenleben", was gut zum Gesamtthema passt.

Wenn man sich Gedanken über die Frage des "Zusammenlebens" in Frankreich macht, bekommt man den Eindruck eines Widerspruches. Einerseits ist das Zusammenleben, etwa in Vereinen, gesund und zeigt Lebendigkeit und Aktivität, andererseits stellt man einen Verlust individueller Sensibilitäten fest, der zu Abbrüchen im Land führt. Der Bürgerschaftssinn ist deutlich im Rückgang. Denn unsere Mitmenschen haben Mühe, sich in einer nationalen Geschichte und in den Werten der Republik wiederzufinden. Die individuellen Wünsche und eine Begrenzung der Gemeinschaften haben eine große Anziehungskraft.
Die traditionellen Religionen sind auch in einer Krise, wie sich am Rückgang des Besuchs der Gottesdienststätten zeigt. Auch da auch ist das Gemeinschaftliche in einer Krise.
Eine Zersplitterung der Gemeinschaften und die individuelle Befriedigung von Wünschen und Begierden erscheinen uns als Sackgassen. Sie tragen zur Auflösung des sozialen Bandes bei.
Die Massenmedien geben Religionen wenig Öffentlichkeit und die neuen Medien, besonders die sozialen Netzwerke schaffen eher Beziehungen zwischen Gleichgesinnten, anstatt die Öffnung zu Anderen zu fördern.
Der Rückzug des Individuums auf sich selbst heraus aus der Gemeinschaft erscheint uns als die wichtigste Gefahr für das "Zusammenleben".
Geben die Religionen in dieser Situation angemessene Antworten?
Kann der Buddhismus, der erst vor kurzem als Religion in der französischen Landschaft erschienen ist, neue Vorschläge machen?
Vom Blickpunkt der Beziehung zwischen dem Individuum und seiner Umgebung her, kann der Buddhismus sicher eine neue Sichtweise bringen. Die Frage der Anhänglichkeit und die Rolle, die er dem Ich gibt, stehen im Zentrum seiner Praxis. Wir werden auch sehen, dass die Werte, die er vermittelt, berufen sind, Fermente der Gemeinschaft in unserem Lande zu werden

 

Allgemeine Anmerkungen
Am Anfang meines Vortrags, scheint es mir notwendig, einige einfache Ideen zu formulieren, die den Faden meiner Überlegungen bilden.
Zunächst: Wenn eine Menschengruppe harmonisch zusammenleben soll, müssen ihre Mitglieder eine gewisse Anzahl an Werten teilen, die ihr ein Minimum an Zusammenhalt gewähren. Im Falle der französischen Gesellschaft geht es um demokratische Werte, die in der "Deklaration der Menschenrechte (droits de l'homme)" und im Grundgesetz ihren Ausdruck haben. Gemäß diesen Werten ist jedes Individuum frei, so zu denken, zu glauben und zu handeln, dass es der öffentlichen Ordnung nicht schadet. Dies schließt die Anerkennung einer großen Diversität von Lebens- und Glaubensweisen ein, die in gegenseitigem Respekt zusammen leben. Dies setzt auch voraus, dass jedes Individuum bejaht, ein Teil einer kollektiven Geschichte zu sein, an der es aktiv teilnimmt, sobald sie ihm erlaubt ohne größere Behinderungen zu leben. Es geht um einen sozialen Vertrag der beiden Seiten, des Individuums und der Gemeinschaft, den sie aus gegenseitigem Interesse unterschreiben müssen.
Erinnern wir auch daran, dass eine der französischen Besonderheiten das Prinzip der Laizität ist, die eine Trennung zwischen Politik und Religion herstellt und die Ausübung verschiedener Religionen auf nationalem Boden erlaubt.
Auch wenn die Geschichte zeigt, dass Frankreich nicht immer von Antiklerikalismus frei war, können wir sagen, dass Laizität ein Ausdruck der Toleranz in einer Gesellschaft geworden ist, wo verschiedene religiöse Glaubensgemeinschaften zusammen leben. Die Laizität gehört heute zum Konzept der Demokratie in Frankreich. Die verschiedenen Ausdrucksweisen von Religionen sind unter der Bedingung akzeptiert, dass sie nicht nach Vorherrschaft drängen und keinen Proselytismus ausüben.
In diesem Rahmen begann der Buddhismus in den sechziger Jahren. Das Interesse an ihm ist schon älter, aber in dieser Zeit gab es die ersten Gläubigen. Dank Lehrer wie Taisen Deshimaru für den Zen-Buddhismus, Kalou Rimpoché und Dagpo Rimpoché unter anderen für die tibetanische Schule, konnten die Franzosen die konkreten Formen des Buddhismus entdecken. Diese Gläubigen waren zunächst ganz wenige und standen an den Rändern der Bevölkerung, entweder als eher bemittelte und kultivierte Menschen oder als junge Menschen, die auf der Suche nach neuen Formen der Spiritualität waren. Dieses Phänomen gewann dann schnell an Bedeutung und der Buddhismus hat heute einen nicht unwesentlichen Rang in der französischen religiösen Landschaft, denn man rechnet mit etwa 5 Millionen "Sympathisanten" und etwa 800.000 praktizierenden Gläubigen. Hier stellen wir auch fest, dass 2/3 dieser Gläubigen Mitglieder der asiatischen Gemeinschaft sind. Die Frage der Kompatibilität des Buddhismus mit den Gesetzen der Republik hat sich nie gestellt, denn, wie wir weiter sehen werden, sind seine Werte Fermente der sozialen Eintracht.
Schauen wir nun, ob Frankreich eine Krise des "Zusammenlebens" durchmacht, nämlich, ob der vorhin erwähnte soziale Vertrag in Gefahr ist und ob der Buddhismus dazu beitragen kann, die Lage zu verbessern.

Der Hyper-Individualismus
Die bedeutendste Entwicklung seit dem Erscheinen des Subjektes in der Stadt, ist die Betonung des Individualismus. Während sie einen bedeutenden politischen Fortschritt am Ende des XVIII. Jahrhunderts darstellte, ist heute die Rolle des Individuums sehr problematisch.
Mehr und mehr Beobachter benutzen den Begriff von Hyper-Individualismus, um von der schwierigen Tendenz, die in unseren Gesellschaften am Werk ist, zu sprechen: das Verhalten unserer Mitmenschen. Der Hyper-Individualismus ist eine Perversion der Individuation, die sich im Laufe des Jahrhunderts der Aufklärung entwickelt hat und zur Entstehung der Ideen der Verkündigung der Menschenrechte führte. Das Individuum machte trat in die Geschichte unter dem Namen des Bürgers. Das bedeutete aber nicht, dass nun sein Lebensziel die Erfüllung seiner kleinsten Wünsche bedeutete und dass seine Sorgen nun von einem pathologischen Narzismus getragen wären. Der einfache Mann (honnête homme) des XVIII. Jahrhunderts hatte eine wechselseitige Beziehung zu der Gesellschaft, die ihn dazu brachte, im Maße seiner Mittel zu deren Fortschritt beizutragen. Diese Wechselseitigkeit begründet die Bürgerschaft.
Der Hyper-Individualismus ist von ganz anderer Natur. Er setzt das Individuum als letzte Instanz der sozialen Organisation ein. Er rechtfertigt alle Arten von Verhalten, wenn sie nur Vergnügen bringen. Es entsteht die Illusion, dass die Gesellschaft dazu dient, die individuellen Wünsche zu befriedigen. Ein großer Teil der Werbebotschaften übermittelt diese Illusion, indem sie Produkte inszeniert, die sich immerzu am Konsumenten anpassen. So bietet die Automobilindustrie immer wieder verschiedene Modelle an, eine Vielzahl von Optionen. Das Wort "Customisieren" (vom Englischen: customize) ist aufgetreten um die Personifizierung verschiedener Objekte zu benennen. Man kann sogar das Läuten seines Handys "customisieren". Die Versicherungen behaupten, uns gut zu kennen, die Klienten lieben ihre Bank, usw.
Werbebotschaften sind oft ein wirkliches Spiegelbild unseres Verhaltens. Wenn die Wünsche des Ichs so inszeniert werden, kommt es daher, weil die Konsumenten es so wollen, bewusst oder auch nicht. Das Ich wird als eine Art Herrscher dargestellt, dessen Bedürfnisse, Lüste und Launen befriedigt sein müssen. Die Wirtschaft sorgt dafür, dass die Lust des Ichs immer wieder angeregt und erneuert wird.
Insgesamt ist das Individuum gefordert, ein Selbst zu sein, sein wahres Ich zu entdecken und aufblühen zu lassen. Alle Entscheidungen werden von diesem Herrscher getroffen, der sein Reich gut kennt und darüber verfügt, wie es ihm gut erscheint. "Seid ihr selbst" ist der Befehl, der durch die ganze Gesellschaft ertönt. Die Sozialnetze sind das ideale Werkzeug einer fast unbegrenzten Zurschaustellung des Ichs; man stellt dort seine "Selfies" ein, diese Ebenbilder, die so etwas wie die Visitenkarten der neuen Welt sind.
Schon am Ende des XX. Jahrhunderts hat der Soziologe Alain Ehrenberg eines seiner Bücher betitelt: "Die Müdigkeit, man selbst zu sein". Es geht darin um die empfundene Müdigkeit, sich immer selbst zu suchen, immer wieder auf sich selbst zurückgeworfen zu werden: Eure Erfolge werden euch angerechnet, eure Misserfolge auch.
Wenn ihr es nicht fertig, bringt eure Lüste zu erleben, eure Träume zu vollbringen, seid ihr selbst dafür verantwortlich. Es stand euch ja alles zur Verfügung, aber ihr habt eure Chance verpasst, ihr seid nicht in einer guten Bewegung.
Doch was man am Ende dieses rasenden Laufens nach der Befriedigung trifft, ist die Müdigkeit, die Enttäuschung und mehr oder weniger verschleiert die Depression.
Der hohe Konsum von Antidepressiva und Antianxiolytika ist ein gesellschaftliches Merkmal dieses Phänomens. Viele unserer Mitbürger, die unter Depressionen leiden, leiden an einer Müdigkeit des Ichs. Sie werden immer wieder enttäuscht von ihren Erwartungen und schließlich von sich selbst.
Man braucht sich nicht lange über die verheerende Folgen dieses Phänomens auf das "Zusammenleben" auszubreiten. Man wird darin wohl übereinstimmen können, dass Depression kein Motor der Sozialisation ist. Man wird auch darin übereinstimmen, dass der Hyper-Individualismus in seiner überwältigenden und allmächtigen Form, nicht als ein Ferment sozialer Beziehungen angesehen werden kann, denn er konzentriert sich auf die Befriedigung des Ichs als das letztgültige Leben in der Gesellschaft und sieht den Anderen nur in seiner Fähigkeit, seine Lüste zu verwirklichen. Unter diesen Bedingungen kann der Begriff der Bürgerlichkeit nur als Einschränkung und Begrenzung verstanden werden.
Man kann feststellen, dass die Institutionen, die Parteien und die Gewerkschaften immer weniger Interesse finden und dass die Zahl der Wähler von Wahlgang zu Wahlgang abnimmt.
Aber wer ist dieses tiefe Ich, dieses wahre Ich, Quelle aller Lüste? Was ist seine Natur, seine Besonderheit? Kann der Buddhismus hier eine Antwort bringen?
Der Buddhismus behauptet den trügerischen Charakter des Ichs. Das Ich ist ein Konstrukt, eine Fiktion. Wie die anderen Phänomene erscheint es als eine bedingte Produktion.
Für den Buddhismus hat kein Phänomen eine eigene, ständige und von anderen Phänomenen unabhängige Substanz. Diese zugleich sehr einfache und sehr radikale Ansicht ist ausgedrückt in einer der berühmten Sutras des Großen Vehikels: "Wenn dies ist, ist es. Wenn dies erscheint, erscheint es. Wenn dies nicht ist, ist es nicht. Wenn dies aufhört, hört es auf."
Diese vier Behauptungen bedeuten, dass jedes Phänomen ein Glied einer Kette ist, ohne die es nicht existieren könnte. Es gibt nichts davor, es gibt nichts außerhalb. Die Wahrnehmung eines "Ichs" hat Realität nur in dem Kontext, wo die Wahrnehmung stattfindet. Diese Wahrnehmung ist durch die Phänomene bedingt und ist selbst ein bedingendes Phänomen. Jede Idee einer eigenen Existenz des Ichs, jede Idee eines tiefen, gründenden Ichs als Grundlage der Persönlichkeit, ist dem Buddhismus fremd.
Man kann sogar so weit gehen zu sagen, dass die Überzeugung, ein beständiges und permanentes Ich zu besitzen, eine Art von geistiger Krankheit für den Buddhismus ist. Man zitiert auch diese Formel des Buddha: "O Mönche, es gibt zwei Arten der Krankheit, die physischen Krankheiten und die geistigen Krankheiten. Einige haben das Glück, während eines Jahres, zwei Jahren, hundert Jahren oder mehr ohne physische Krankheit zu leben… Aber wenige gibt es in dieser Welt, die, wenn auch nur für einen Moment, ohne geistige Krankheit leben.“
Dies bedeutet, dass die vertraute Arbeit unseres Gehirns uns in Verirrung führt. Unser vertrautes psychologisches Verhalten, das automatisch eine gewohnte Wahrnehmung des Ichs produziert, ist in Frage gestellt.
So ist das Ich, Objekt aller Anstrengungen und Quelle der meisten unserer Leiden, nicht fester und beständiger als "das Spiegelbild des Monds in dem Wassertropfen, der vom Schnabel eines Wasservogels fällt", um das Bild eines Zen-Gedichts zu übernehmen.
Von diesem Standpunkt aus steht der Buddhismus in Gegensatz zu den Tendenzen, die in unserer Gesellschaft am Werk sind. Paradox ist, dass er aber auf diese Weise uns Hilfe leisten kann.
Es geht nicht darum zu denken, dass das westliche Bewusstsein in kurzer Zeit eine Revolution kennen würde, die eine so tief verwurzelte Idee wie die Existenz des Ichs in Frage stellen würde. Der Buddha selbst sagte, dass eine solche Wahrnehmung, wie die des perfekten Wachseins, sehr schwer zu vollbringen und nur von einer kleinen Anzahl sehr Gläubiger zu erreichen ist. Doch es bleibt dabei, dass diese Erfahrung, so subtil sie auch sei, der Kern des Buddhismus ist.
Dieser radikale Zweifel gegenüber dem Ich könnte eine Verminderung der Allmacht, die ihm die Wirtschaftsgesellschaft gibt, bedeuten. Es könnte sein, dass der Hyper-Individualismus immer mehr als eine Sackgasse erscheint, als ein abweichendes und leidproduzierendes Verhalten. Das Ich schafft immer mehr Anhänglichkeit und kennt keine andere Linderung als ein immer sich erneuendes Gefühl der Befriedigung, das immer mehr abhängig macht. Aber der Buddhismus ist eine Religion der Nicht-Anhänglichkeit.
Wir werden nun sehen dass die Meditation eine Rolle in dem Prozess der Relativierung des Ichs spielen und ein Hilfsmittel zur Überwindung von Depression sein kann.

Meditation
In mehreren Schulen des Buddhismus, und besonders in der Zen-Schule, ist die Sitzmeditation das Herz der Praxis. Sie kann mehrere Formen haben, aber im Falle des Zen geht es darum, in einer gewissen Position zu sitzen, Moment für Moment in den Körper zurückkehren und besonders in den Atem und keine mentale Aktivität durchzuführen.
"Lasst die Gedanken vorbeigleiten wie die Wolken in der Weite des blauen Himmels", wie man oft sagt. Die mentale Aktivität beruhigt sich und der Meditierende schenkt ihr keine Aufmerksamkeit. Unsere psychologischen Gewohnheiten, die autobiografischen Träumereien, die uns quasi permanent beschäftigen, interessieren uns nicht mehr.
Einige Forscher meinen, nach Professor Jean-Claude Ameisen, zu wissen, dass 80% unserer mentalen Energie von der Produktion dieser Träumereien aufgesaugt werden. Wie dem auch sei, mit der Übung der Meditation brauchen diese Träumereien  weniger Platz und es entsteht natürlicherweise eine Beziehung mit einer erweiterten Dimension unserer Geschichte als die unserer inneren Welt.
Der Zen Buddhismus spricht von einem weiten Geist, wo die Unterscheidung zwischen Subjekt und Objekt sich auflöst. Es ist eine subtile Erfahrung. Es ist schwierig, davon zu sprechen und man kann es nur wertschätzen, wenn man sie selbst erfährt.
Diese kurze Darstellung der Meditation lässt erkennen, dass derjenige, der sie ausübt, sich frei macht von dem, was ihm ständig im täglichen Leben Sorge macht. Seine Wahrnehmung der Wichtigkeit seines inneren Lebens, seiner mentale Konstrukte, wird dadurch geändert.
Dôgen Zenji, einer der größten Zen-Lehrer in Japan, hat diese berühmte Worte geschrieben: "Den Weg des Buddhas studieren, heißt sich selbst studieren, sich selbst studieren heißt sich selbst vergessen." Es geht nicht darum, hier einen Kommentar über eine Formel abzugeben, die die ganze Zen-Praxis in sich enthält. Aber man sieht, dass das Studieren, das Meister Dôgen erwähnt, nichts mit irgendwelcher Introspektion zu tun hat.
Man versteht, dass ein Denkansatz, der auf dem "Sich-selbst-vergessen" beruht, nichts zu tun hat mit dem vorhin erwähnten Befehl des "Ich-Selbst-Seins", er ihm sogar widerspricht.
Man kann auch verstehen, dass dieser Denkansatz denen Linderung bringt, die in die Schlinge der Hypertrophie des Ichs gefallen sind und die einer Depression ausgesetzt sind. Deshalb empfehlen immer mehr Psychiater die Meditation als therapeutisches Element. Zum Beispiel hat der Arzt Christophe André seit einigen Jahren die Meditation in die Therapie von Depressiven eingeführt. Die Distanz zu sich selbst, sein vorläufiges Vergessen, hat messbare Wirkungen auf ihre mentale Gesundheit.
Wenn diese Patienten Meditation üben, praktizieren sie damit gleichzeitig deshalb auch den Buddhismus, und nichts sagt uns, dass sie es einmal tun werden.
Aber es ist unvermeidlich, dass die Meditation, wenn sie auch nur als eine Technik angesehen wird, eine heilsame Auswirkung hat auf die, die an ihrem kranken Ich leiden oder, um es noch radikaler auszudrücken, die an der Krankheit des Ichs leiden. Die Praktiker bekennen selbst, dass sie diese Technik dem Buddhismus, besonders dem Zen, ausgeliehen haben. Es ist wahrscheinlich, dass ohne das Aufkommen des Buddhismus in Europa, diese Technik ihnen lange unbekannt geblieben wäre.

Die Werte des Buddhismus
Ein anderer Aspekt des Beitrags, den der Buddhismus in das "Zusammenleben" einbringen kann, liegt in den Werten, die zu ihm gehören.

Toleranz
In unserer Reflexion muss die Toleranz als erste zitiert werden. Die Geschichte des Buddhismus zeigt, dass seine Verbreitung über die Grenzen Indiens, wo er entstanden ist, niemals mit Anwendung von Gewalt oder in einem Geist der Konkurrenz mit den Religionen der Länder, in denen er Fuß fasste, stattfand. Der Buddhismus verschmilzt so zu sagen mit den religiösen Praktiken, die er auf seinem Weg antrifft. So haben der Konfuzianismus und der chinesische Taoismus ihm die besondere Farbe gegeben, die dem Chan Buddhismus eigen ist. In Tibet nimmt er animistische oder schamanistische Rituale auf, die es vor ihm gab. In Japan findet man Tempel, wo die schintoistischen und buddhistischen Gottesdienste ganz natürlich zusammen abgehalten werden.
Denn der Buddhismus beruht nicht auf einer Gesamtheit von strengen Überzeugungen und Dogmen, die imstande wären, Rivalitäten und Konflikte mit anderen Religionen zu verursachen.
Er geht über alle strengen und steifen Glaubensarten hinaus, denn, in letzter Analyse, gehen diese aus einem Aufbau oder einem Verlangen hervor, die vor der Erfahrung des Aufwachens verblassen. Dese Erfahrung wird in den buddhistischen Schriften als unfassbar, unbeschreiblich und doch ganz einfach dargestellt. Der Buddhismus ist eine gottlose Religion, es gibt für ihn weder Anfang noch Ende, weder Schöpfer noch Schöpfung. Dieser Punkt gibt manchmal Stoff zu Diskussionen über seine Einschätzung als volle Religion, doch haben wir jetzt nicht die Zeit dazu, in diese Debatte einzugehen. Wir brauchen nur anzumerken, dass dieses Fehlen des Glaubens an einen Gott kein Hindernis für Christen, Juden oder Schintoisten bedeutet, ihn wirklich zu praktizieren. Der Sänger und Poet Leonard Cohen, der mehrere Jahre in einem Zen Kloster in Kalifornien verbracht hat, bezeichnet sich gleichzeitig als Jude und Buddhist. Meister Deshimaru, der die Praxis des Zen in Europa eingeführt hat, war es gewohnt, seinen Schüler, die ihm metaphysische Fragen stellten, zu antworten: " As you like – wie Sie wollen". Die Sutras lehren uns, dass der Buddha selbst still blieb, wenn man ihm solche Fragen stellte. Diese Stille des Buddha forderte zu vielen Kommentaren heraus. Begnügen wir uns zu sagen, wenn die Antwort etwas Wesentliches für die Art der Praxis, die er befürwortete, bedeutet hätte, hätte er etwas dazu gesagt. Wie dem auch sei, diese maximale Öffnung den Glaubensarten gegenüber macht aus dem Buddhismus eine formbare Religion, die imstande ist, mit verschiedenen Überzeugungen zusammen zu leben und sie sich sogar anzueignen. Man kann auch berichten, dass manche christliche Mönche die sitzende Meditation üben und dass manche Klöster in ihren Mauern buddhistische Klausuren durchführen, an denen manche Mönche teilnehmen.
Es ist auch wichtig zu bemerken, dass der Buddhismus keinen Proselytismus treibt. In Frankreich zählt man etwa 800.000 praktizierende Gläubige. Davon gehören, wir haben es schon gesagt, zwei Drittel der Mitglieder der asiatischen Gemeinschaft an. Diese Gemeinschaft ist besonders diskret und wollte niemals alle anderen Franzosen zu sich ziehen. Sie besitzt häufig Gottesdiensträume, auch im Elsass, aber informiert nicht über ihre religiöse Feste oder ihre wichtigen liturgischen Stunden. Als Gegenleistung ist sie gut akzeptiert und ist gut im sozialen Netz aufgenommen.
Man kann sich fragen, wie diese allgemein gesehen harmonische Beziehung mit der religiösen Praxis verbunden ist. Die Frage der Integration der immigrierten Gemeinschaften in der französischen Gesellschaft ist sehr komplex und wir wollen nicht das Verhalten der verschiedenen Gemeinschaften vergleichen. Wir begnügen uns anzumerken, dass eine Verbindung zwischen der Art besteht, wie der Buddhismus sich heute in Frankreich gibt und wie die weltweite friedliche Geschichte der Ausbreitung des Buddhismus außerhalb seines Entstehungslandes abgelaufen ist. Der Buddhismus ist keine Eroberungsreligion.
Die asiatischen Buddhisten sind sich ihres kulturellen Unterschiedes bewusst und machen daraus weder eine Besonderheit, noch ist dies ein Grund, sich auf sich zurück zu ziehen. Sie nehmen gerne teil an gemeinsamen Kundgebungen mit westlichen Buddhisten.
In Strasbourg zum Beispiel waren sie gleich mit dabei, als Reverend Olivier Wang-Genh, der seit 30 Jahren im Elsass die Zen-Tradition unterrichtet, ihnen vorgeschlagen hat, das "Fest des Buddha" mitzugestalten, ein jährliches Event, das zeigen soll, dass der Buddhismus eine der Religionen im Elsass ist, auf die man zählen kann. Als Folge des Erfolgs dieser Kundgebung ist die „Communauté des Bouddhistes d'Alsace – Gemeinschaft der elsässischen Buddhisten" (CBA) entstanden, als Ort des Austauschs zwischen all den verschiedenen örtlichen Schulen.
Diese Schritte haben der Stadt Strasbourg ermöglicht, sich der Wichtigkeit der buddhistischen Präsenz in ihren Mauern bewusst zu werden. Sie hat uns kostenlos den Pavillon Joséphine in dem Orangerie-Park für das Buddha Fest zur Verfügung gestellt und hat der CBA das Octroi- Gebäude (auch im Orangerie-Park) ausgeliehen, um da eine Anlaufstelle zu halten.
Diese neuen Ereignisse zeigen gut den Geist der Eintracht, der zwischen den verschiedenen Schulen des Buddhismus herrscht. Sie bezeugen auch von ihrem Willen, in der Stadt sichtbar zu werden, auf ruhige und friedliche aber entschiedene Weise.
Der gute Empfang, den die lokalen Institutionen uns gemacht haben, zeugt von ihrem Interesse für diesen Weg. Die Anerkennung der neuen Religionen durch die staatlichen Institutionen geht nicht von selbst und ruft manchmal Spannungen hervor. Man kann im Falle des Buddhismus sagen, dass der Dialog fließend war. Der Geist der Eintracht, der ihn kennzeichnet, hat ohne Zweifel etwas damit zu tun.
Die nicht-asiatischen Mitglieder der buddhistischen Gemeinschaft sind vielleicht auffälliger aber auch da geht es nicht um Proselytismus. Im Gegenteil, die buddhistischen Gruppen sind sehr involviert im interreligiösen Dialog und rufen ihn manchmal hervor. Buddhisten der verschiedenen Schulen nehmen teil an den Diskussionsgruppen und auch an interreligiösen Ereignissen, wenn es ihnen möglich ist. In Strasbourg sind sie sehr aktiv bei der Organisation des interreligiösen Tages, der jedes Jahr in der Stadtmitte stattfindet.
Der Geist der Toleranz des Buddhismus, sein Verlangen nach Dialog und sein totales Fehlen, andere beherrschen zu wollen, sind ständig vorhanden, in der Vergangenheit wie in der heutigen Welt.
Seit der Verkündung des Edikts von Nantes, das den Franzosen sehr am Herzen liegt, dreht sich ein guter Teil unserer Geschichte um die Frage der Toleranz, öfter auch in leidvoller Weise. Die Ausdrucksformen dieses Geistes in der Öffentlichkeit oder in privaten Kreisen fördern sicherlich die Suche nach Eintracht und Harmonie, also das "Zusammenleben".

Gewaltlosigkeit und Mitleiden
Ein anderer starker Wert des Buddhismus, der wahrscheinlich am meisten verbreitet ist, ist die Gewaltlosigkeit. Auch da zeigt uns die Geschichte, dass der Buddhismus ganz selten an einem kriegerischen Vorhaben oder an Episoden des Machtkampfs teilgenommen hat.
Wenn wir dies sagen, wollen wir uns hüten Engel zu sein, und begnügen uns zu behaupten, dass Gewalt nicht mit buddhistischer Lebensweise übereinstimmen kann. Aus dieser Sicht ist die Haltung des Dalai Lama gegenüber der Besatzung Tibets durch die Chinesen symbolhaft: Er hat immer wieder zu dem gewaltlosen Widerstand aufgerufen und hat sich von Strömungen distanziert, die zum Aufstand aufriefen.
Deswegen hat er auch den Friedensnobelpreis bekommen. Es geht hier nicht darum, über die Berechtigung oder die Wirksamkeit dieses Weges zu richten, sondern zu zeigen, dass er sich in einer Linie mit den buddhistischen Werten befindet. Dies bringt auch die Erfolge der Protestbewegungen, die von Gandhi und dem Pfarrer Martin Luther King angeführt wurden, in ein neues Licht, wie in der Geschichte Konflikte zu regeln oder die Unterdrückung rückgängig zu machen sind.
Auch heute kann man Zeichen dieser gewaltlosen Art entdecken, mit Konflikten in dem heutigen Frankreich umzugehen. Protestbewegungen berufen sich explizit auf Gewaltlosigkeit, sei es der Bauernbewegung mit José Bové, die Bewegung der "Indignierten" oder die Bewegungen nach dem Stil "occupy" in Notre Dame des Landes. Der Weg wird noch sehr lange sein, aber vielleicht wird dieser Samen weiter gedeihen und es werden eines Tages die Konflikte auf andere Weise geregelt. In allen Fällen kann das Image des Buddhismus, das ja auch der Realität seiner Praxis entspricht, dazu beitragen. Seine Auffassung ist einer der Faktoren, die die Wahl der Gewaltlosigkeit in Konfliktfällen fördern. Die Nutzung von Gewalt würde nach der Regel des Karmas, von der wir noch sprechen werden, nur giftige Früchte bringen.
Ein anderer Aspekt des Buddhismus ist das Mitleiden. Es ist die Ergänzung der Weisheit. Der Buddhismus hat den Ruf, eine Weisheitsschule zu sein und dieser Ruf ist nicht einfach behauptet. Aber alle Lehren dringen darauf, dass die Weisheit nichts ist ohne das Mitleiden, die Compassion. Man benutzt öfters das Bild der Flügel eines Vogels, um die gegenseitige Bedingung deutlich zu machen: die Weisheit ist ein Flügel, das Mitleiden der zweite. Die Weisheit ohne Mitleiden riskiert, in Hochmut auszuarten, das Mitleiden ohne Weisheit kann sich schädlich erweisen.
Das Mitleiden ist berufen, an Orten des Leidens aktiv zu werden.
Man könnte dann auch sagen, dass es berufen ist, überall auf der Welt tätig zu werden.
Aber im Rahmen einer Reflexion über das "Zusammenleben" in Frankreich scheint es gerechtfertigt zu sein, an den Orten anzuhalten, wo große soziale Leiden identifizierbar sind wie im Gefängnis und im Krankenhaus.
Bis zu den ersten Jahren dieses Jahrhunderts gab es keine buddhistische Seelsorge, weder im Krankenhaus, noch im Gefängnis. Dennoch waren Anfragen da, aber sie stießen nicht auf institutionelles Interesse.
Infolge des Hitzesommers von 2003, in dem zahlreiche Personen Vertreter des Buddhismus treffen wollten, hat der Staat Kontakte zur Buddhistischen Union Frankreichs aufgenommen, um eine echte Seelsorge einzurichten. Eine gewisse Anzahl von den Westmönchen hat eine Weiterbildung bekommen und macht in mehrere Einrichtungen regelmäßig Besuche.
Wenn eine Person am Ende des Lebens wünscht, sich mit einem Priester oder einem buddhistischen Mönch zu unterhalten, soll sie es machen können. Man soll ebenfalls einen buddhistischen Beerdigungsdienst gewährleisten. Die asiatische Gemeinschaft braucht Priester und Riten für diese Situation hat, wozu meistens die Menschen aus dem Westen, die diese Religion kürzlich angenommen haben, nicht in der Lage sind.
Deshalb bekommen seit einigen Jahren eine gewisse Anzahl der Gläubigen eine Bildung als Priester, das heißt sie lernen, Zeremonien nach der Tradition, zu der sie gehören, auszuführen. Die Frage stellt sich für den tibetischen Buddhismus und den Zen Buddhismus, die die Schulen sind, in denen die Westlichen mehrheitlich vertreten sind.
Die soziale Dimension der Religion ist eine neue Frage für die Westbuddhisten. Die Schwierigkeit besteht darin, Rituale zu erfinden, die passen. Wenn sie die Zeremonien von denen übernehmen sollten, die aus dem Tibet oder aus Japan kommen, können sie sie nicht unverändert einführen. Man muss sie anpassen, damit sie für uns einen Sinn haben. Die Westlichen müssen den tieferen Sinn der Zeremonien, die sie erleben, verstehen und die traditionellen buddhistischen Priester müssen ihnen helfen bei dieser Arbeit und auch selbst die Besonderheiten der westlichen Gesellschaft verstehen.
Er kommt auch immer öfter vor, dass inhaftierte Personen wünschen, sich mit einem Vertreter des Buddhismus zu unterhalten. Das hat auch der UBF aufgegriffen und ist einen Weg gegangen, damit Seelsorger die Zustimmung der Strafverwaltung erhalten. Ebenso ist Lama Droupgyu Karma am Anfang dieses Jahres zum ehrenamtlichen nationalen Seelsorger in den Gefängnissen ernannt worden. Diese Frau arbeitet mit fünf örtlichen Seelsorgern zusammen, die in acht Einrichtungen tätig sind. Bei dieser Gelegenheit möchte ich mich herzlich beim Protestantischen Bund herzlich bedanken, der die Türen seiner Weiterbildung diesen buddhistischen Seelsorgern geöffnet hat. Das ist ein schönes Beispiel von Toleranz und von konkreter religionsübergreifender Zusammenarbeit.

Gegenseitige Abhängigkeit und Verantwortungssinn
Der Begriff von Karma, der in allen asiatischen Religionen anwesend ist, ist auch ein Element, das das "Zusammenleben" fördert. Das Wort "Karma" bedeutet in Sanskrit "Akt" oder "Aktion". Es bezeichnet die Tatsache, dass jede Handlung notwendigerweise eine Frucht bringen wird. Man spricht über das Karma des Denkens, der Handlung und des Sprechens. Jeder konzipierte Gedanke, jede begangene Handlung und jedes losgelassene Wort bedingt eine Folge. Dieses Bewusstsein der entscheidenden Rolle des Karmas gibt dem Verantwortungsbewusstsein den Grund zur Entwicklung. Im Bereich seiner Intimität, im privaten Bereich und im sozialen Bereich achtet der Buddhist darauf, keinen schädlichen Samen zu säen. Er pflegt im Laufe seiner Praxis eine besondere Achtung, die ihm eine gewisse Anzahl von den Reaktionen aufgeben lässt, die epidermal oder nur auf Groll gegründet sind.
Er vermeidet, eine Situation zu verschlechtern, weil er sich soweit wie möglich enthält, unter den Menschen die Keime zu zerstreuen, die die Schwierigkeiten und den Schmerz erhöhen.
Diese Ausübung der Achtung macht ihn in der öffentlichen Debatte positiv, die durch Auseinandersetzungen der Egos so oft vergiftet ist, die den ersten Platz schließlich besetzen und in der Lösung der Konflikte schaden. Das bedeutet nicht, dass die Buddhisten immer niedlich sind und dass sie immer ein wohlwollendes Lächeln ausstellen. Wenn der Konflikt platzt, nehmen sie ihren Teil daran ernst, aber sie versuchen, sich nicht dem Vergnügen des Streites zu überlassen, nicht krankhaft die Freuden des Sieges zu genießen, und nicht über der Bitterkeit der Niederlage zu brüten. Diese Berücksichtigung des Karmas zielt darauf ab, aus Buddhisten wertvolle Gesprächspartner im sozialen Dialog zu machen.
Dieser wäre friedlicher und fruchtbarer wenn er von solchen Betrachtungen beseelt wäre.
Ansonsten bezeugt dieses Verantwortungsbewusstsein ganz natürlich die Entwicklung eines großen ökologischen Bewusstseins. Jedermann weiß, dass die westliche Lebensweise die Mittel des Planeten erschöpft, die durch eine riesige Verschwendung verschlimmert wird. Wir verschmutzen uns gegenseitig in schöner Einmütigkeit. Daraus ergeben sich Spannungen auf zahlreichen Gebieten. Der Buddhismus ist eine ökologische Religion per Definition.
Zusätzlich zum Begriff von Karma besteht der Buddhismus auf dem "interdependenten" Charakter aller Dinge. Wir haben schon gesagt, dass nichts außerhalb einer Kette von Phänomenen existiert, die andere Phänomene hervorbringen. Es ist klar, dass die Ökologie nichts anderes ist als ein Ausdruck der Wechselbeziehung. Wenn Packeis in einem Punkt der Erdkugel schmilzt, werden Territorien in Tausenden Kilometer davon überflutet sein. Wenn eine Tierart verschwindet, ist eben die ganze Kette des Lebens betroffen. Das unmittelbare Drohen der ökologischen Katastrophe war nötig, um das Gesetz der Wechselbeziehung aller Vorgänge deutlich zu machen.
Seit ihrem Ursprung ist die buddhistische Lebensweise genügsam, der Verschwendung feindlich. Die erlebte Dankbarkeit vor allem, was das Leben und die Umstände uns zur Verfügung stellt, verbietet, dass man einen ungenierten Gebrauch davon macht. Wenn wir das Glück haben, etwas auf unseren Tellern zu haben, wie kommen wir dazu, wählerisch zu sein und unüberlegt Lebensmittel wegzuwerfen? Weil wir so großzügig von der Luft, dem Wasser und der Erde profitieren, können wir es uns erlauben, sie gleichgültig zu verschmutzen? Wir sind heute alle damit im Einklang, aber es ist wirklich schon sehr lange, dass der Buddhismus den Respekt und die Dankbarkeit der Umwelt gegenüber vertritt. Ich weiß, dass wir uns auf diesem Punkt treffen, weil die Protestanten ebenfalls der Verschwendung feindlich gegenüber stehen.
Wir wissen alle, dass wir die Richtung einschlagen könnten, die Pierre Rabi die "glückliche Mäßigung" nennt, ohne dafür das Salz des Lebens zu verlieren. Wenn Mäßigung und die Achtsamkeit auf die Folgen unserer Handlungen im Lande verbreiteter würden, wären sie ein Beitrag zum "Zusammenleben" und ganz einfach "zum Leben".
Ich werde diese kurze Übersicht der Beiträge des Buddhismus zum "Zusammenleben" durch einigen Bemerkungen zur der Ethik, die für die Praxis zentrale Bedeutung hat, ergänzen.
Die "rechten Mittel zum Dasein" sind einer von den acht edlen von Buddha dargestellten Pfade während seiner ersten Predigt. Er setzt bei dieser Gelegenheit die Vier Edlen Wahrheiten fest. Der edle Achtfache Pfad ist der Vierte. Er zählt die Handlungen auf, die zur Befreiung und zur Unterbrechung von " dukkha " führen, ein Wort das man mit "Schmerz" im allgemeinen übersetzt hat, aber es wäre besser, es mit "Unzufriedenheit" wiederzugeben. Es sind diese acht Pfade: der rechte Blick, der rechte Gedanke, das rechte Wort, die rechte Handlung, die Mittel zum Dasein, die rechte Anstrengung, die rechte Achtung und die rechte Konzentration. Die ganze Praxis des Buddhismus ist hier vorhanden, in ihrer Klarheit und ihrer Diversität.
Die rechten Mittel zum Dasein bedeuten, dass der Gläubige eine Tätigkeit ausübt, die keine Missklänge mit seiner religiösen Verpflichtung schafft. Das heißt, dass er diese Tätigkeit entsprechend der buddhistischen Ethik ausübt. Er tut sein Möglichstes, um die Angelegenheiten an dem Ort, an dem er sich befindet, zu verbessern. Er soll seine Kompetenzen, die er bekommen hat, in Übereinstimmung mit den Vorschriften einsetzen. Um zur die Ökologie zurückzukehren: Der buddhistische Bauer wird das Land nicht intensiv bewirtschaften und wird Tiere nicht so behandeln, wie es in der intensiven Landwirtschaft geschieht. Wenn er ein Arzt ist, wird er darauf achten, die staatliche Krankenversicherung auszunützen. Der Buddhismus zielt nicht auf ein einsames, sondern auf ein solidarisches Handeln, um das Wortspiel von Albert Camus aufzugreifen. Es geht nicht darum, sich zur Meditation in seine Stube zurückzuziehen, sondern um "sein Licht nach außen zu richten", wie man es oft in den Lehren sagt. Seine Glaubwürdigkeit wird im täglichen Leben geprüft.
Die Mehrheit der buddhistischen Priester lebt in der Stadt, üben ein Handwerk aus und ist denselben Schwierigkeiten gegenübergestellt wie alle anderen. Aber sie bringen eine besondere Ethik in ihre Handlungen und Entscheidungen ein. Ihr soziales Leben soll die Aufrichtigkeit ihrer Praxis bezeugen und wir hoffen darauf, den Lauf der Dinge positiv zu beeinflussen, wenn auch auf fast unsichtbare Weise in fast unmerklichen Details. Die Achtung des Gläubigen soll sich in großen wie in kleinen Dingen üben. So wird etwas von seiner Praxis in die Umgebung, in der er lebt, eingegeben und durch Gegenseitigkeit weitergegeben.
Der Buddhist lebt soll mit sich besseres Leben gestalten, um besseres "Zusammenleben" zu bewirken. Buddha hat gesagt: "Seien für dich selbst Dein eigenes Asyl". Das will nicht sagen, dass man sich auf sich zurückziehen muss, aber dass die Arbeit bei einem selbst anfangen soll, damit jeder sich auf eine echte Erfahrung beziehen kann und sich auf sie beziehen kann. Mit dieser Stütze wendet sich der  Buddhist den Anderen zu. So ist der Buddhismus nicht eine Anreihung von Werten oder ein Denksystem unter anderen, er ist eine dauerhafte Überprüfung dieser Werte im täglichen Leben. "Der gewöhnliche Geist ist der Weg", sagt ein berühmtes Zen Sprichwort. Das will sagen, dass es nichts zu suchen gibt, außerhalb der Realität, die uns vor Augen ist. Im täglichen Leben verwirklicht sich der Buddhismus.
Nach diesen Ausführungen ist der Buddhismus imstande, einen Beitrag zum "Zusammenleben" zu leisten. Er kann die Krise des Individualismus mildern, die unsere Gesellschaft bestimmt. Er kann in das deprimierende Klima unseres Landes und auf die Behandlung der großen Depressionen eingreifen, wo Meditation von nun an benutzt wird.
Die Werte des Buddhismus, die Toleranz, die Gewaltlosigkeit, das Mitleiden und die im Alltag angewandte Ethik verbreiten in der sozialen Umgebung auf unterschiedliche Weise die Idee, Konflikte aufzugreifen. Die Berücksichtigung der Wechselbeziehung aller Dinge macht ihn natürlicherweise geeignet, das notwendige ökologische Bewusstsein für ein harmonisches Leben unter den Menschen und mit der Umwelt zu vertreten. Von seiner genügsamen Lebensweise her gibt er der westlichen Welt ein wertvolles Zeichen. Diese Elemente könnten dem Gefühl der Bürgerschaft einen neuen Sinn geben, indem die Öffnung zum Anderen hin gefördert wird, nicht der Rückzug auf sich selbst
Der Buddhismus ist eine pragmatische Religion, die bemüht ist, im täglichen Leben die Weisheit zu überprüfen, um die sie sich bemüht.
Als Religion trachtet er, wie es der Fall in seiner Geschichte war, in gutem Einvernehmen mit den anderen Religionen, die er achtet, zu leben.
Der Buddha hat sich immer als der große Arzt vorgestellt, der die Krankheit pflegt, ohne sich mit nutzlosen Betrachtungen aufhalten zu lassen. Zu dem von einem Pfeil verletzten Mann spricht er nicht von dem Namen und von dem Alter des Gegners, er sucht keinen Grund, warum der geschossen hat, in welcher Distanz er sich fand, aus welchem Holz der Pfeil gewesen ist, usw. Er kommt, die Wunde zu pflegen und zu heilen.
Das radikale Arzneimittel, das der Buddhismus vorschlägt, hat mit unserem Ich und mit unserer Krankheit der Anhänglichkeit zu tun. Weil alles vergänglich ist, kann die Anhänglichkeit nur eine Quelle des Leidens sein. Die Übung der Nicht-Anhänglichkeit ist der Weg der Heilung. Diese einfache Botschaft, die in die Tat umzusetzen ist, ist in einer Gesellschaft wichtig, die aus der Anhänglichkeit einer seiner wichtigsten Motoren macht und die das Hyper-Individuum in das Zentrum seiner Sorgen stellt.
Ich danke ihnen für ihre Aufmerksamkeit.

Übersetzung : Jean-Charles Kaiser