Zen meditation (EN tempo)

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Fünftes Kapitel


5.Kapitel: Beständige Praxis und Dankbarkeit

 

Dies ist in gewisser Weise die Zusammenfassung des Shushogi: die seltene und außerordentliche Fähigkeit des Menschen, seinen Geist zu erwecken. Dies müsste unsere einzige Sorge, unsere einzige Aktivität sein.


Daher sagte Buddha Shakyamuni: "Wenn ihr das Glück habt, einem Meister zu begegnen, der das Dharma darlegt, dann betrachtet weder seine Verfassung noch sein Aussehen, beurteilt nicht sein Verhalten oder was euch als Irrtum erscheinen könnte, sondern werft euch jeden Tag, morgens, mittags und abends respektvoll vor ihm nieder und vor allem macht ihm keine Sorgen."

 

Wenn wir heute das Glück haben, und sei es nur, einen einzigen Satz des Buddha-Dharma zu hören, geschieht dies dank der beständigen und ununterbrochenen Praxis aller Buddhas und Patriarchen. Sogar die Tiere und alle fühlenden und nicht fühlenden Wesen zeigen beständig diese Dankbarkeit. Weshalb sollte der Mensch sich dessen enthalten?

 

Die echte Art und Weise, diese Dankbarkeit auszudrücken, liegt in unsrer täglichen Praxis selbst. Dies bedeutet, dass jeder Umstand der Ort und der Moment für die Praxis ist und dass jeder Tag ein guter Tag zum Praktizieren ist. Und selbst wenn wir hundert Jahre lang nur unseren eigenen Wünschen gefolgt sind, wenn wir uns daran machen, den Weg zu praktizieren und sei es nur für einen einzigen Tag, so wird dies das ganze vergangene Leben und ebenso die nächsten hundert Jahre beeinflussen.
Jeder Lebenstag sollte geschätzt werden und dieser Körper sollte geachtet werden. Mit diesem Körper-Geist können wir praktizieren und mittels dieser Praxis aktualisiert sich die Praxis aller Buddhas und schließt sich ihr großer Weg dem unsrigen an. Jeder Tag unserer Praxis ist ein Tag ihrer Praxis.
Alle unterschiedlichen Buddhas sind Buddha Shakyamuni selbst. Buddha Shakyamuni ist nichts anderes als "dieser Geist als solcher ist Buddha". Wenn die Buddhas der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft das Erwachen verwirklichen, sind sie augenblicklich Buddha Shakyamuni. Das ist die Bedeutung von "der Geist als solcher ist Buddha" (sokushin ze butsu).
Dieser Text wurde vor über einem Jahrhundert von Unterweisungen Meister Dogens ausgehend, die im 13. Jahrhundert gegeben wurden, zusammengestellt, in einem Land, wo der Buddhismus und seine Kultur schon tief verwurzelt waren. Wir dagegen stehen heute am Beginn der Einpflanzung des Buddhismus (was uns betrifft, der Soto-Zen-Tradition) in die frische Erde Europas. Da erweist sich das Shushogi als ein Schatz voller Einfachheit und Klarheit. Der religiöse Geist, von dem er getragen ist, ist "jenseits" jeglicher formeller Religion. So habe ich kürzlich das Shushogi einem Lama und einem Dominikanermönch zum Lesen gegeben. Beide haben mir gesagt, abgesehen von gewissen Aspekten des Vokabulars, ginge alles in dieselbe Richtung wie ihr eigener Glaube.
Der Text wurde nach und nach gleichbedeutend mit einem Sutra und die Mönche singen ihn, ganz oder teilweise, jeden Morgen in den Tempeln. Dies drückt vielleicht auch den Wunsch aus, das Shobogenzo von Meister Dogen, dem ersten japanischen Patriarchen, in den Rang eines Sutra und damit auf die gleiche Höhe mit dem Sandokai und dem Hokyozanmai zu heben.
Vor zwanzig Jahren entstand in Japan ein Streit um den Inhalt des Shushogi. Einige Gelehrte behaupteten, dass die Tatsache, verschiedenste Auszüge aus Kapiteln des Shobogenzo absichtlich zu einem neuen Text zusammenzustellen, den Sinn der Worte Dogens verändert habe. Es stimmt, dass man auf diese Weise jedem Autor beliebige Aussagen in den Mund legen und so in gewisser Weise jedwede Theorie belegen kann. Doch was das Shushogi angeht, erscheint ein solches Urteil völlig ungerechtfertigt. Übrigens verstummte dieser Streit von selbst wieder.
Auch kann man bemerken, dass in diesem Text keine Verweise auf Zazen vorkommen, was ein wenig stören mag. Aber vergessen wir nicht, dass das Shushogi sich zuerst an Laien wendet (oder Personen, die nur selten Zazen üben), und dass das Shobogenzo selbst Zazen als Methode praktisch nicht erwähnt, aber tatsächlich nur von Zazen und seiner Erfahrung spricht.


Und dies ist zweifelsohne der wirklich wichtige Punkt: wovon spricht man in Wahrheit, wenn man von Zazen spricht, wenn nicht vom Geist, den das Shushogi zum Ausdruck bringt?