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Kommentare zum Shushogi von Meister Dogen


Einführung

In der Meiji-Ära (1868-1912) gab es tiefgreifende Umwälzungen in der traditionellen japanischen Gesellschaft, die sich nach zwei Jahrhunderten völliger Abschottung entschlossen dem Westen öffnete. Die etablierten Religionen und besonders der Buddhismus, denen man zu große Nähe zur Macht der Shogune (Tokugawa-Ära) vorwarf, sahen sich großem Druck ausgesetzt seitens der neuen Regierung, welche den Shinto zur Staatsreligion erheben wollte. ryaku-fusatsuDie verschiedenen Schulen sahen sich daher gezwungen, sich zu reorganisieren, um zu überleben. Das Soto-Zen blieb hiervon nicht ausgespart und so entstand in dieser Zeit die Soto Fushu-kai, die Organisation der Soto-Schule. Diese sollte die verschiedenen Strömungen harmonisieren und zusammenfassen, um sie zu stärken. Das Soto-Zen hatte sich in den vorausgegangenen Jahrhunderten, ausgehend von den zwei Gründertempeln, Eihei ji und Soji ji, tief im Volk verankert. Allerdings fehlte ihm die Einheitlichkeit und ein offizielles Organ sowohl auf der Ebene der offiziellen Repräsentation als auch im Sinne eines gemeinsamen Grundstocks von Lehrinhalten.
 

In diesem Zusammenhang brachte 1888 ein Verleger buddhistischer Bücher und eifriger Anhänger des Soto-Zen die erste Version des Shushogi heraus. Seiran Ouchi hatte die Idee, Abschnitte aus dem Shobogenzo von Meister Dogen zu nehmen und neu zu gruppieren. Auf diese Weise sollte ein einfacher, aber authentischer Basistext von der Lehre des Soto-Zen entstehen, der den unterschiedlichsten Strömungen der Epoche gemeinsam sein sollte. Das Buch hatte einen solchen Erfolg bei den Laienanhängern, dass die Zenjis der beiden Gründertempel, Takushu Takiya für Eihei ji und Baisen Azegami Zenji für Soji ji, beschlossen, die Idee aufzugreifen und das Buch für eine definitive Version zu überarbeiten. Das Shushogi wurde so zum Grundlagenwerk für den Religionsunterricht im Soto-Zen.

Das Shushogi besteht also vollständig aus Passagen des Shobogenzo in 92 Texten, insbesondere aus den Kapiteln Jukai, Hotsu Bodaishin, Kie Bupposobo, Jinshin Inga, Sanjigo, Bodaisatta Shishobo, Shoji, Sokushin Zebutsu, wobei diese Aufzählung keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.
Dieser Text hat also eine doppelte Funktion: Religionsunterricht für die Laien sowie für das tägliche Leben und gleichzeitig ist er Ausdruck des Erwachens und der spirituellen Reife für die Mönche und Nonnen. Für beide ist er die Zusammenfassung der wichtigsten Lehren Buddhas, ganz auf das Tagtägliche und unser Verhalten ausgerichtet. Er beruht auf den grundlegenden Werten des Buddhismus: Toleranz, wechselseitige Abhängigkeit, Mitgefühl, Dankbarkeit und selbstverständlich dem Geist des Erwachens.

Praxis und Verwirklichung sind nicht-zwei

Die wörtliche Übersetzung des Titels Shushogi lautet: die Bedeutung von Praxis-Verwirklichung. Gewöhnlicherweise glaubt man, dass Praxis und Verwirklichung wenn nicht Gegensätze sind, so sich doch mindestens deutlich von einander unterscheiden und sich zeitlich folgen. Dies würde bedeuten, dass die Tatsache zu praktizieren das Erwachen bzw. die Verwirklichung nach sich zöge. Nun ist die Nicht-Trennung von Praxis und Verwirklichung nicht nur eine grundlegende Lehre des Soto-Zen seit seinem Entstehen in China, sondern auch einer der Punkte, auf denen Meister Dogen am meisten beharrte: dass die Verwirklichung oder das Erwachen nicht das Ergebnis von dem, was man als Praxis definieren könnte, ist, sondern die Tatsache zu praktizieren stellt in sich schon den Ausdruck und die Verwirklichung dieses Erwachens dar. 

 

Daher hat das Soto-Zen seit jeher auf die Praxis selbst gezielt, ganz im Glauben, dass jede unserer täglichen Aktivitäten der Ort und der Augenblick der Verwirklichung des Weges ist. Dies kommt zum Ausdruck im mokusho-Zen von Meister Wanshi (Zen der stillen Erleuchtung), im heijo shin kore do von Nansen (der tägliche Geist ist der Weg), im datsu raku shin jin von Nyojo (Körper-Geist schon entblößt, losgelöst ), um nur einige Beispiele zu zitieren. Diese Evidenz zieht sich durch das ganze Shobogenzo und die Eihei Shingi, die Sammlung der Tempelregeln für Eihei ji von Meister Dogen. Darin liegt die ganze Größe der mushotoku-Praxis, ohne Ziel und Gewinnstreben, auf der Meister Deshimaru so sehr beharrte.
Folglich stellt die "Bedeutung von Praxis-Verwirklichung" nicht "eine Unterweisung" des Soto-Zen unter vielen dar, sondern sie ist sein wahrhaftiges Herz und dieses zu verstehen ist mehr als wichtig für diejenigen, die zu shikantaza, nur sitzen, erwachen wollen.